Verfasst von: sauvradaeva | Mai 8, 2012

zum gefälschten Salafistenvideo

Eigentlich ist die Gesellschaft in einer glücklichen Lage, Rechtsextreme und Salafisten sind gerade eifrig beschäftigt sich gegenseitig den Garaus zu machen. Einwände gibt es aus humanistischen Motiven, aus straßenverkehrlichen Gründen und natürlich, weil entsprechende Kollateralschäden zu befürchten sind.

Pro NRW, ein Neugründung aus gescheiterten Existenzen, die es zunächst in NPD und Republikaner gezogen hatte, versuchen ihre neueste Hetze gegen Türken an den Mann zu bringen und ziehen mit den berüchtigen volksverhetzenden Karikaturen der rechtsextremen, dänischen Zeitung Jyllandsposten vor Moscheen und Schulen. In diesem Zusammenhang mobilisierten nicht nur die üblichen Verdächtigen zu Gegenkundgebungen, sondern auch bundesweit salafistische Gruppen. In Solingen kam es zum ersten Aufeinandertreffen zwischen Salafisten und Rechtsextremen als die volksverhetzenden Bilder hochgehalten wurden. Die Rechtsextremen haben vermutlich nicht ganz ohne Hintergedanken Solingen gewählt, da dort Nazis 1993 mehrere Türken ermordet hatten. Bei der Auseinandersetzung wurden mehrere Salafisten von der Polizei festgenommen.

In Bonn trafen ebenfalls Salafisten und Rechtsextreme aufeinander, wobei sich die Gewalt der Salafisten auch gegen die Polizisten richtete. Welche Motive hierbei eine Rolle spielten, z.B. Revanche für Solingen, der weitverbreitete Rassismus in der Polizei, Hass auf den Staat, ist nicht klar.

Auch in der Domstadt Köln werden am 8.05. die Rechtsextremen auftreten um gegen Türken und Araber zu hetzen (und vermutlich in Gedanken gegen die Alliierten). Die Salafisten wollen dazu auch wieder gerne kommen. Hierzu ist auch ein Video von einem „Herbert  Jäger“ bei Youtube erschienen, von dem Claudia Dantschke annimmt, dass es eine Fälschung sei, womit ich konform gehe.

Zum Vergleich wird hier ein Originalaufruf der Salafisten um Abu Talha (Konvertit, früher Deso Dogg) gezeigt, das in seiner Aufmachung repräsentativ für salafistische Medien ist:

Mehrere Aspekte springen sofort ins Auge:

1. Im Jägervideo spricht kein Prediger.

2. (Dieser Abschnitt ist unter untenstehend Nachtrag ergänzt. Zu Dokumentationszwecken bleibt er aber bestehen.) Ab 0:12 erscheint eine rote arabische Schrift. Das ist nur kein Arabisch. In der ersten Zeile ist noch nicht einmal klar, welche arabischen Schriftzeichen gemeint sein können (z.B. l oder d am Wortanfang, der jeweils zweite Buchstabe lässt auch ordentlich Raum für Spekulation offen). Vermutlich hat jemand mittels Wörterbuch oder Übersetzungstool versucht gegen Juden und Christen zu hetzen (das letzte Wort, das einzig richtige, heißt as Salib = Kreuz).

3. Die Musik ist falsch.

4. Die Aufmachung und Texte sind zu militaristisch. So schreibt nur jemand, der regelmäßig auf Landserheftchen wichst. Die politische Orientierung von Personen, die sich an „Reihen festgeschlossen“ aufgeilen (Horst-Wessels-Lied) und dies überall reininterpretieren (siehe Jägervideo 0:55), ist sehr entlarvend.

5. Kein einziger Appell richtet sich an die zu verhindernde Tat, nämlich den „Propheten“ zu verteidigen. Dabei ist der Prophet noch nicht einmal richtig geschrieben, denn normalerweise würde sav (Friede sei  mit ihm) an den Namen angehängt werden.

6. Die enervierende Wiederholungen „alhamdulah“, „inschaallah“, etc. fehlen.

7. In 1:02 erscheint mit roter Schrift der Text „haq vs. batil“. Haqq ist falsch geschrieben und Sinn ergibt es auch nicht. Denn Haqq heißt bei den Salafisten (bei Sufis heißt es was ganz anderes) „gemäß der Sharia“ und Batil heißt „mit der Sharia unverträglich“. Einige Salafis behaupten auch ihre Madhab (Rechtsschule) sei jene des „haqq“, weswegen sie die vier sunnitischen Rechtsschulen als Tradition ablehnen.

Ein Salafist hätte in dieser Situation doch eine recht eindeutige Wortwahl gewählt, die die Vokabel Jihad bemüht hätte.

Nachtrag:

in einem äußerst rechtslastigen Forum hat man sich nun über diese Analyse wenig amused gezeigt und zu Punkt 2 eine Interpretation dargereicht:

Demnach soll das Geschmiere im Jägervideo ab 0:12 folgendes heißen: „Hādihi hīya dimuqrāṭīya ‚abād aṣ-ṣalīb“ oder in Deutsch: „Dies (hier) ist die Demokratie der Diener des Kreuzes.“
Der jeweils erste Buchstabe der zwei Wörter in der ersten Zeile seien demnach ein h. Mit viel guten Willen, kann man es tatsächlich dafür halten.

Alleine vom Inhalt macht das keinen Sinn und beinhaltet zum restlichen Video einen Widerspruch. Denn bei 1:02 wird die Differenz zwischen haqq und batil eröffnet. Batil umfasst dabei sowohl die Demokratie wie auch das Christentum („Kreuz“).

Was möchte ein Salafist also mit diesen Worten mitteilen? Dass eine salafistische Demokratie deutlich besser wäre? Seit wann wären also Salafisten für eine Demokratie?

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Responses

  1. Ich vermisse hier wirklich das Niveau ihrer vorhergegangenen Artikel! Vor allem verstehe ich nicht, was uns das jetzt gross aufzeigen soll.. ob der Clip nun „echt“ ist oder auch nicht – Hass wird ueberall und in noch viel erheblicherem Masse als hier geschuert. Wer der Herr Jaeger nun auch sein mag, das aendert nichts an den Ungenauigkeiten dieses Artikels, die ich so Sie erlauben kurz aufzeige.
    Ist nur als kostruktive Kritik gedacht 😉

    „1. Im Jägervideo spricht kein Prediger.“ Aha. In wie vielen (oft von SalafistINNEN) produzierten Videos tut das ebenso keiner? Kein stechendes Argument, man sollte den Clip nicht ausschliesslich mit denen von Salafimedia etc vergleichen.

    „2. Ab 0:12 erscheint eine rote arabische Schrift. Das ist nur kein Arabisch.“ Entschuldigung, wie kommt man darauf? So man der arabischen Sprache nicht maechtig ist, solle man derlei Mutmassungen doch unterlassen – hadhi hiyya dimoqratiyyat ‚abd as-saliib, zu deutsch: Das ist die Demokratie der Kreuzesanbeter / Diener des Kreuzes. Wo genau wird gehetzt? Ist das deutsche Volk nicht mehrheitlich christlich orientiert und demokratisch gesinnt? 😉

    „3. Die Musik ist falsch.“ Hae? Warum ist die Musik denn nun „falsch“? Doch hoffentlich nicht nur, weil keine Schuesse im Hintergrund fallen.. anbei, was ist eigentlich „richtige“ Musik? 🙂 (Der „Nasheed“ handelt uebrigens von der Rechtleitung, vom Dasein als geblendet und in dem Sinne „tot“, hin zur wahren Besinnung, dem Islam..)

    Punkt 4 finde ich persoenlich einfach nur.. eklig. Ein kleines Minus bei Vorurteilen wuerde (uns allen) gut tun…….. Ich denke mal, da wollte uns einfach mal jemand seine wahrlich ueberragenden Kentnisse in Dingen PowerPoint praesentiern.

    5. Naja Bilder sagen mehr als Worte. Und wer sich nicht durch Sprachgewandheit auszeichnet, na sei’s drum.

    6. Das ist doch wirklich total unlogisch! Genauso koennte ich sagen, der Baecker ist kein Baecker, nur weil er nicht bei jedem Atemzug Broetchen oder Mehl sagt. Warum soll man „wenn Gott will“ schreiben, wenn es grade nicht in den Kontext passt? Ist doch unsinnig.. Da ich bei „Horst“ – Salafist oder nicht – nun auf keinen gebuertigen Araber schliesse, sind ihm die Aussagen vielleicht auch einfach nicht so vertraut 😉

    7. Haqq heisst im normalen Sprachgebrauch schlichtweg „Wahrheit“ (deenul haqq = Religion der Wahrheit) bzw. Recht – also Wahrheit vs Unrecht (batil). Ergibt doch bei der bevorstehenden „Schlacht“ Sinn oder?

    Naja alles in allem, wie gesagt nicht gerade berauschend der Artikel – sein Sinn hat sich mir bis jetzt nicht wirklich erschlossen, vielleicht kann man mich diesbezueglich ja mal aufklaern 🙂 Danke!

  2. Dieser Blog behandelt nicht nur Islamismus, sondern auch Rechtsextremismus. Wenn hier offensichtlich aus dem rechtsextremen Spektrum ein Video produziert und es als salafistischer Appell ausgegeben wird, dann ist es auch für das Thema Islamismus sehr wohl bedeutsam, insb. da das Eintreten gegen Rassismus einen nicht unbeträchtlichen Bestandteil des Identitätsangebots der Salafisten bildet. Das sieht man ja bei Pierre Vogel sehr schön und auch bei den Aktionen der Salafisten

    Dazu Punkt für Punkt:
    1. Wenn in einem salafistischen Video kein Prediger spricht, dann gibt es zumindest eine Litanei an Text. Keines von beiden findet sich dort. Dass man keinen salafistischen Prediger hört liegt vermutlich daran, dass Rechtsextreme es sehr schwer haben dürften einen aufzutreiben, der es für sie erledigt.
    Die Qualität rechtsextremer Videos ist übrigens auch sehr gut.

    2. was hadhi hi heißt, weiß ich selber. Demnach wäre das also ein h und keine zwei Buchstaben. Salafistische Videos gehen mit der von ihnen als heilig betrachteten Sprache doch etwas anders um. Denn immerhin gilt als Zeichen der Göttlichkeit die von ihnen als formvollendet betrachtete Sprache im Koran, die ihnen als Arabisch überliefert sein soll.

    Die Bezeichnung „Knechte des Kreuzes“ anstelle von Christen ist wieder sehr entlarvend. Hier hat der Videoverfasser zu sehr seine eigene Kreuzzugsromantik einfliessen zu lassen und von Kreuz vs. Halbmond zu träumen.

    Genau übersetzt heißt es „so sieht die Demokratie der Sklaven des Kreuzes aus“ Das ist ein bekannter politischer Slogan, der von einer ganzen Bandbreite politischer bis unpolitischer Menschen und Gruppen verwendet wird. Im Englischen lautet er „this is what your democracy looks like“ und verweist darauf, dass man Demokratie heuchelt, aber den Demonstranten vorenthält. Im rechtsextremen Spektrum gibt es den auch, allerdings nur in der Version, dass Demokratie für alle Übel dieser Welt – bis auf jene, die man für Ausländern und Juden gemäß der rechtsextremen Ideologie reserviert – verantwortlich sei. Wie weit die Attraktivität dieses Slogans reicht, sieht man an gewissen als bürgerlich anerkannten Autoren und Journalisten, die Demokratie, Menschenrechte, liberale Werte, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Humanismus und Toleranz als „Gutmenschentum“ und Weg in den Untergang sehen, weil man quasi zu gutherzig wäre.

    Zu deiner Nachfrage wegen der Hetze: Die Hetze besteht nicht darin, dass man jemanden herabwürdigt, sondern indem man einen Identitätskonflilkt erklärt, bei dem es angeblich darum gehen würde, dass sich zwei religiöse Gruppen gegenüber stehen würden. Jeder dieser Konflikte besteht darin, dass die Wortführer eine generelle Unvereinbarkeit, einen ethnischen oder ideologischen Konflikt behaupten um im nächsten Schritt die andere Gruppe herabzuwürdigen. Das ist die Parallele zwischen Salafisten, sehr vielen Islamisten und Rechtsextremen (auch in muslimischen Ländern wie z.B. Zia ul Haqq in Pakistan oder der BNP in Bangladesch) und erklärt auch, warum diese Konflikte sehr schnell an Fahrt aufnehmen.

    Um dies an einem Beispiel aus einem ganz anderen Konflikt zu veranschaulichen – nämlich dem Unabhängigkeitskrieg der „Kroaten“. Bevor auch nur der erste Serbe vertrieben wurde, haben die Rechtsextremen unter den Kroaten diejenigen Kroaten ermordet, die diesem ganzen Identitätsgedöns, dem Ausschluss und schlussendlich der Vertreibung oder Ermordung der „Anderen“ entgegengewirkt haben, u.a. viele Polizisten und Lokalpolitiker. Anders Breivik hat das genauso gemacht, er hat diejenigen liquidiert, die gemäß seiner Ideologie als Volksverräter zu behandeln seien, weil sie mit jenen, die er als Gefahr sieht, nicht nur keinen Konflikt, sondern sogar Kooperation haben möchten.

    3. Die Musik ist sehr handzahm im Gegensatz zu Text und Videosequenzen. In diesem Video von Tawhid wal Jihad zur Entführung Arrigonis hört sich das deutlich anders an.

    Den Begriff Nasheed, auch wenn er verwendet wird, halte ich für unpassend, da es um eine politische Ideologie geht und nicht um Religiösität. Damit spielt man auch den Salafisten in die Hände, die Religion, Politik, Gesellschaft in Eins sehen.

    4. Militarismus ist einer der wichtigsten ideologischen und gelebten Eckpunkte des Rechtsextremismus: Wehrsportgruppen, Militariasammlungen und -messen, Waffendepots, Kameradschaften, etc. Hinzu kommt die ideologische Aufarbeitung und schriftstellerische Darstellung in Geschlossenheit, Korpsgeist und Entschlossenheit. Das hat für den Einzelnen „Kameraden“ durchaus eine (homo-)erotische Komponente. Nicht umsonst spricht man von einem Militärfetisch.

    Im Salafismus gibt es diesen Militärfetisch allerdings nicht.

    5. Nicht ein einziger Satz im Video behandelt das Thema das Zeigen der Karikaturen zu verhindern, sondern es ergeht sich in militanten Posen, der Darstellung von angenommener Ungerechtigkeit und Leid. Die letzten Sekunden zeigen dann nur militante Machotugenden wie „Kampfeswillen“ und „Entschlossenheit“. Auch das ist ein Indiz für einen nichtsalafistischen Verfasser. Denn für Hooligans und Rechtsextreme mag das stimulierend wirken, aber eine derartige Glorifizierung von Gewalt ohne es mit einem Ziel zu verbinden, ist untypisch für Salafisten. Denn der Salafismus ist eine politische Ideologie und hat ein politisches Ziel. Das obige Video der Mörder von Arrigoni ist hierfür instruktiv: Darstellung von Gewalt und anschließend eine Textwüste um sich zu rechtfertigen. Einfach so Gewalt um ihrer Selbst willen zu zeigen ist kein politische Ausdruck. Selbst für Jihadisten wie Al Qaida wäre das zu ungeschliffen und roh. Ihre Taten sind nicht spontan und kein spontaner Ausdruck von Wut, sondern wohlüberlegt, durchdacht und gut geplant.

    6. Es ist im Salafismus tatsächlich ein charakteristisches Merkmal, dass diese Floskeln ständig wiederholt werden. Damit sollen Positionen bekräftigt werden, auch wenn sie im Nachhinein doch deutlich aufgesetzt wirken. Ich habe als Vergleich den Aufruf von Deso Dogg veröffentlicht, in dem das deutlich wird.

    7. Es geht nicht um Haqq im normalen Sprachgebrauch, was auch immer dieser sein soll, sondern um die Wortwahl der Salafisten. Das ist eine Sprache, hinter der eine spezifische Ideologie steht, folglich verwenden sie sie auch gemäß dessen. Salafisten sehen auch Tawhid oder Islam ganz anders als der normale Sprachgebrauch oder wer überhaupt Moslem ist. Abd verwenden Salafisten auch anders als der normale Sprachgebrauch in der arabischen Welt, reserviert man dort diesen Begriff doch gerne für Afrikaner.

    Zusammengefasst:
    Ein Rechtsextremer hat mit dem ihm zur Verfügung stehenden ideologischen Mitteln ein Übersetzungstool für Deutsch – Arabisch genutzt um entweder die Stimmung anzuheizen oder im Vorfeld die Gefährlichkeit der Salafisten zu übertreiben. Da die Polizei solche Videos ja auch auswertet und in ihre Lageeinschätzung einfliessen lässt, wäre das auch taktisch keine so schlechte Idee. Außerdem bewirkt es negative Publicity für die Salafisten.

    Pro NRW könnte hierbei ein klares Interesse haben die andere Seite zu provozieren. Wie man sieht, werden sie dadurch bekannt.
    Wären die Salafisten nur etwas schlauer, hätten sie im Gegenzug diese Karikatur aus der rassistischen Jyllandsposten veröffentlicht.

  3. btw.: einige PRO-Gestalten wie Beisicht, Rouhs und Uckermann haben in CDU bzw. JU angefangen

    • Sagte ich ja:

      Pro NRW, ein Neugründung aus gescheiterten Existenzen,


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