Verfasst von: sauvradaeva | Oktober 1, 2012

Buddhistenverfolgung im Karikaturenstreit – Rassismus in Bangladesch

Seit dem letzten Septemberwochenende werden wieder Buddhisten im Südwesten Bangladeschs, der Chittagong Division, verfolgt, angegriffen und ihre Häuser niedergebrannt. Als Auslöser wird eine Karikatur auf Facebook genannt, die von einem Buddhisten stammen und Mohammed beleidigen soll. Folglich zog eine Meute aus mehreren hundert Leuten los und griff wahllos Buddhisten an. Ungeachtet der Frage, ob man jemanden beleidigen kann, der nur ein Prophet ist, also nichts anderes als ein Hochstapler, oder man sich die Frage stellt, ob Menschen aufgrund ihrer diskriminierten Position Angriffe auf ihre Identität gewaltsam beantworten, ist hier ein Blick in Richtung Fremdenfeindlichkeit lohnenswert. So zielten die Angriffe auf zahllose Buddhisten, die nichts mit dem Bild zu tun hatten und nur deswegen ausgewählt wurden, weil sie Buddhisten sind, d.h. aufgrund einer Etikettierung der Täter, bei der sie stellvertretend für den Inhaber des Facebookaccounts verantwortlich gemacht und zur Verantwortung gezogen werden. Ein zweite Aspekt der Fremdenfeindlichkeit tritt hinzu: Woran erkennt man eigentlich in Bangladesch oder anderswo einen Buddhisten? Man errät es leicht, sie sehen etwas anders aus, sprechen eine für die Mehrheit der Bangladeschis unverständliche Sprache und sind eigentlich Flüchtlinge aus Myanmar/Burma. So wie Islamkritik in der BRD nichts anderes ist als die bürgerliche Form von „Türken raus!“, ist diese Buddhistenkritik nichts anderes als „Bamar raus!“. Paradoxerweise ist die größte Gruppe selber muslimisch, was allerdings niemanden so richtig im Rassenwahn stört. Bezogen auf die in den Chittagong Hill Tracts lebenden Menschen heißt dies natürlich anders, z.B. „Chakma raus!“.

In Myanmar herrschte von 1962 bis 2011 eine Militärjunta, die sich im Moment eine zivile Regierung gegeben hat, nach dem ihr Katastrophenmanagament beim Zyklon Nargis 2008 geringfügig versagt hatte und die Leute von ihnen die Schnauze voll hatten. In dieser wunderbaren Regierungszeit der Veruntreuung und Unterdrückung wurden nicht nur die politischen Kontrahenten verfolgt und ermordet, sondern zugleich, quasi präventiv – so zumindest der offizielle Wortlaut -, alle Gruppen, die sich nicht integrieren wollten. So ist die Unterdrückung der Rohingyas kein Einzelfall in Myanmar. Wegen der Menschenrechtsverletzungen flüchteten viele ins benachbarte Bangladesch. Die etablierten Parteien BNP (Partei des ehemaligen Militärdiktators und Islamistenlieblings Zia) und die Awami League sorgen sich freilich sehr um die Menschenrechte in Myanmar, v.a. weil aufgrund ihrer Mißachtung Menschen in ihr Land kommen. So haben diese beiden Parteien gewisse Umgangsformen entwickelt. In “ehrenhafter Vergeltung” massakrieren BNP-Kader in den Chittagong-Hill-tracts ethnische Minderheiten oder vertreiben sie von ihrem Land. Hier hört aber die Solidarität auch schon auf. Ansonsten sind für die BNP die Rohingyas das, was die Palästinenser in Jordanien sind: eine Minderheit, der man alle Probleme zur Last legt. Grundsätzlich geht die BNP auf alles los, was wie Minderheit aussieht – am besten zusammen mit den Islamisten der Jamaat-e Islami-e Bangladesh: Hindus, Christen, Buddhisten (Buddhismus wurde reduziert auf Religion einiger entlegener Stämme in den Chittagong-Hill-tracts, weil die buddhistische Minderheit im Völkermord 1971 liquidiert wurde), ethnische Minderheiten, Frauen und Moslems, die sich unislamisch verhalten, z.B. Sufis und Bauls. Die Awami League ist deutlich sozialdemokratischer. 2011 wurde ein Rücknahmeabkommen mit Myanmar ausgehandelt, damit man die Leute abschieben kann.  So haben die offiziellen Protestnoten tendenziell den Tenor die Flüchtlinge zurück zu nehmen als ein sicheres Leben zu garantieren, wie man z.B. auf diesem Bild bei demotix schön erkennt.

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Responses

  1. http://www.thedailystar.net/newDesign/news-details.php?nid=251957

    • Kann ich mir auch gut vorstellen, allerdings auch, dass die Awami League vom Rassismus ablenken will. Vermutlich ist sogar beides wahr.

  2. http://www.europe-solidaire.org/spip.php?article26567

    Today 6 October 2012 in the morning Abdul Karim, President of Bhurungamari sub-district and Central Committee Member of Bangladesh Krishok Federation was brutally killed by a miscreant named Addur Rahim patronized by the local influentials who have vested interest on the abandoned railway Khasland occupied by the landless men and women in 2004. He was 63 years old. His dedication knew no bounds as regards land occupation movement in the northern part of the country.


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