Verfasst von: sauvradaeva | Februar 28, 2014

Schwelende Unruhen in Bangladesch

Die Unruhen in Bangladesch hielten auch während der Wahlen zu den Upazilas (Kommunen) an. Jedoch waren sie im Vergleich zu den Ausschreitungen, die die Islamisten anlässlich der Verurteilung ihrer Mitglieder im vergangenen Jahr und zusammen mit der BNP während der Parlamentswahlen 2014, gering. Gering allerdings nur, wenn man sie auf den Wahltag beschränkt. Unterschwellig finden weiterhin zahlreiche Auseinandersetzungen statt, insbesondere politischer und nationalistischer Natur. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen werden hauptsächlich von den Islamisten der Jamaat-e Islami und der Hefajat-e Islam begonnen.

Die Upazila-Wahlen wurden in einigen Distriken von der BNP boykottiert. Ihre Wähler stimmten dann für die Kandidaten der Jamaat-e Islami. Laut ersten Hochrechnungen hat allerdings die BNP 52 von 115 Upazila-Sitzen für sich entscheiden können, Jamaat-e Islami 8 und die Awami League nur 34. Bislang wurde ein Mitglieder der Jamaat-e Islami von der Polizei in Noakhali erschossen, als Anhänger der Jamaat die Wahlstation angegriffen hatten.

Noch während der Wahlen kam es zu Angriffen auf Kandidaten anderer Parteien, besonders der Awami League, und Minderheiten. Mittlerweile ist es schon traurige Tradition, dass während und nach Wahlen Anhänger der Islamisten und der nationalistischen BNP religiöse und ethnische Minderheiten angreifen. Inbesondere im Südosten des Landes, um die Stadt Chittagong, liegt ein Schwerpunkt der Angriffe. So werden regelmäßig Hindus, aber auch muslimische Bamar sowie muslimische Flüchtlinge aus Myanmar, angegriffen. So wurden alleine nach den Parlamentswahlen im Januar 2014 in der Chittagong Division 150 Häuser von Hindus angezündet.

In der Region um Chittagong kommt es schon seit den Unruhen um die „Bengal Partition“ vor über 100 Jahren regelmäßig zu Angriffen und Ausschreitungen gegen Minderheiten, besonders Hindus. Im Folgenden eine Aufstellung der größten Massaker:

1946: das Noakhali-Massaker.

1950: zahlreiche Massaker während der landesweiten Anti-Hindu-Pogrome. Diese betrafen sogar noch stärker die Khulna, Barisal und Sylhet Division und führten zur Fluch von einer bis zwei Millionen Hindus nach Indien.

1964: Massaker nach dem in Kashmir eine Reliquie verschwunden war.

1971: Während des Völkermords in Bangladesch werden gezielt religiöse Minderheiten ermordet. Im Norden Bangladesch wird sogar die kleine buddhistische Minderheit komplett ermordet. Die Anklagen gegen einige Täter aus Reihen der Jamaat-e Islami führten zu den eingangs erwähnten Unruhen im Jahr 2013.

1990: Im Nachbarland Indien forderten Hindu-Faschisten der RSS, BJP und des VHP die Zerstörung der Ayodhya-Moschee und den Bau eines Tempels für den Gott Ram, neben Ausschreitungen in Indien, kommt es auch zu Massakern in Bangladesch

2013: Nach der Urteilsverkündigung gegen die Völkermörder von 1971, gehen landesweit die Islamisten auf die Straße und greifen politische Gegner und Minderheiten an. Mehrere Hindus werden alleine in der Chittagong Division ermordet, mehrere hundert Wohnhäuser angezündet. Die Bewohner konnten sich häufig rechtzeitig retten.

Betrachtet man sich die Täter, so verübten die Massaker zunächst das Militär bzw. paramilitärische Gruppierungen der Muslim League. Ab den 50er Jahren verschob sich das Täterfeld zunehmend in Richtung islamistischer Gruppen. Konservative Parteien wie die BNP hetzen vor allem gegen Minderheiten oder politische Gegner, lassen aber die „Drecksarbeit“ die Islamisten verrichten. Während der Regierungszeiten der BNP zeigt sich auch das klassische Bild dieser Arbeitsteilung: Nicht staatliche Behörden wie die Polizei verüben die Taten, sondern gewaltbereite Gruppen. Die Aufgabe der Behörden ist es, nichts dagegen zu unternehmen.

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