Verfasst von: sauvradaeva | Januar 9, 2015

Angefeindete Journalisten in muslimischen Ländern

Islamisten haben schon seit Jahrzehnten Journalisten, Lyriker und Fernsehreporter angefeindet, bedroht und ermordet. Einerseits vergegenwärtigt es, dass Religionskritik und Kritik an konservativen Handlungen und Ideen in der muslimischen Welt verbreitet sind, andererseits zeigt es auch einen gewissen eurozentrischen Blick. Deshalb eine kurze Liste mit den wichtigsten „Märtyerern“ der Freiheit und ihren wichtigsten Werken:

  • Taha Hussein – al fitna al kubra (1947) (der große Aufruhr). Hussein, einer der wichtigsten ägyptischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, erklärt einige Personen der frühen Zeit des Islams als nicht existent. Er wird hierfür angefeindet.
  • Mahmud Mohammed Taha: Taha war ein sudanesischer Theologe, der quasi eine sudanesische „Theologie der Befreiung“ verfasste. 1967 verfasste er „die zweite Botschaft des Islams„, in welchem er den Mekka-Versen eine höhere Bedeutung als den Medina-Versen zuwies. Denn die Medina-Verse wurden in einer Zeit der Vertreibung und Verfolgung, als sich die frühen Moslems ihrer Haut erwehren mussten, geschrieben und können daher keine gesamtgesellschaftliche. ethische Bedeutung behaupten. 1968 hat ihn die Al Azhar-Universität zum Ungläubigen erklärt. 1983 wurde die Sharia im Sudan durch Nimeiry eingeführt. 1985 wurde Taha in Khartoum hingerichtet. Der hauptverantwortliche Hetzer Hassan at Turabi wurde 1986 gestürzt.
  • Naji al Ali: al Ali war Karikaturist bei der liberalen kuwaitischen Zeitung al Qabas. Die berühmteste Figur von ihm ist „Handhala„, der kleine, palästinensische Junge, der weit über den Nahen Osten bekannt wurde und Verwendung findet. Naji al Ali wurde 1982 im Libanon durch israelische Truppen aus politischen Gründen inhaftiert. Nach seiner Freilassung zog er nach London. Dort wurde er 1987 in London aus unbekannten Gründen ermordet, wobei sowohl die PLO als auch der Mossad als Täter verdächtigt werden.
  • Farag Foda – Haqiqa al Ghaiba (1987) (die abwesende Wahrheit). Foda, ein bekannter ägyptischer Säkularist, kritisierte häufig die Moslembruderschaft und jihadistische Gruppen wie Al Jihad und al Gama al Islamiyya. 1980 hat Muhammad abd al Salam Faraj as Buch „al Faridah al Ghaiba“ (die vergessene Pflicht) veröffentlicht, in welchem er den Jihad als quasi sechste Säule des Islams etablieren wollte und den Mangel der Moslems beklagte sich seiner Terrororganisation anzuschließen, was er als Pflichtvergessenheit interpretierte. Foda kritisierte diese und andere Sichtweisen in mehreren Artikeln und in seinem Buch „al Haqiqa al Ghaiba“. Foda wurde deswegen 1992 ermordet.
  • Nasr Hamid Abu Zaid: Abu Zaid war kein Säkularer, sondern Ingenieur und Theologe. Auf der Suche nach dem Sinn des Korans, verwendete er moderne Methoden der Linguistik und Hermeneutik. U.a. sollten die Koranverse unter dem historischen und kulturellen Kontext ihre Offenbarung interpretiert werden. So wurde z.B. der Koran zu einer patriarchalischen Zeit verfasst, also der Vorherrschaft des Mannes über die Frau. Weil mit diesem Gesellschaftsbild Konservative weiterhin sympathisieren, würden sie weiterhin an den Textstellen hängen und den eigentlichen Sinn verkennen. 1992  erschien sein Buch „Naqd al hitab al dini“ (Kritik des religiösen Diskurses). Abu Zaid wurde von konservativen Geistlichen sowohl aus dem Staatsbetrieb wie auch aus Reihen der Islamisten angegriffen. Er wurde zum Ketzer erklärt und seine Ehe wurde deswegen geschieden, weil sie keine religiöse Grundlage mehr hatte.
  • Naghib Mahfouz – Kinder der Straße (Awlad haratna): Mahfouz griff in seinen Werken häufig zeitgenössische Probleme und soziale Situationen in Ägypten auf. Deshalb verarbeitete er auch religiöse Themen und brachte sich auch außerhalb seiner Werke in Debatten ein, z.B. in die Mordaufrufe gegen Salman Rushdie und die Debatte um „die satanischen Verse„. Gegen Mahfouz wurden nicht nur sein Engagement vorgehalten, sondern auch ein alter religionskritischer Text von 1959, „Kinder der Straße“. Die Anhänger der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam haben sich in jeweils einer Phase in einer Straße in Kairo angesiedelt. Jedesmal hat ein Held dieser Religionen Futuwwa, örtliche Schlägertruppen, besiegt. Als 4. Nachbar kommt die moderne Wissenschaft hinzu, von der jede Religion behauptet, sie käme von ihnen. Mahfouz wurde 1994 angegriffen und schwer verletzt. Obwohl er überlebte, konnte er fast nicht mehr schreiben.
  • Sivas Massaker 1993: Die alevitische Minderheit feierte in Sivas ein Fest zu Ehren Pir Sultan Abdal. Dabei trat auch Aziz Nesin, ein bekannter Säkularist auf, der auch die „satanischen Verse“ übersetzt hatte. Mitglieder der „Wohlfahrtspartei“ von Necmettin Erbakan legten im Tagungshotel Feuer und töteten 35 Personen.
  • Darioush und Parvaneh Forouhar (Kettenmorde): der ehemalige Minister in der nachrevolutionären Regierung Bazargans wurde 1998 ermordet, weil er sich für Demokratie, Menschenrechte und Säkularismus einsetzte. Die Täter, u.a. Sai Emami und Ali Fallahian, zählen zum konservativen Spektrum im Iran um Ahmadineschad und Mezbah-Yazdi.
  • Said Hajjarian: Der ehemalige Geheimdienstmann deckte die Kettenmorde (siehe oben) im Iran auf und war ein vehementer Streiter für Menschenrechte und Rechtstaatlichkeit im Iran. Im Jahr 2000 wurde er durch Schüsse lebensgefährlich verletzt. Die Täter waren aus Reihen der Basij.
  • Ahmed Rajib Haider: Haider war Initiator der Shah-Bagh-Proteste in Bangladesch, die die Todesstrafe gegen die Täter des Völkermordes an den Bengalen von 1971 forderte. Haider wurde 2013 vor seinem Haus erschlagen. Die Täter gehören der Islami Chhatra Shibir, der Studentenvereinigung der Jamaat-e Islami Bangladesh, an.
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