Verfasst von: sauvradaeva | Dezember 20, 2015

Syrischer Bürgerkrieg im Jahr 2015

Der syrische Bürgerkrieg geht ins 5 Kriegsjahr. Die ursprünglichen Forderungen nach Demokratie, Wohlstand und Menschenrechten wurden durch die Dominanz salafistischer Rebellengruppen, v.a. Ahrar ash Sham, Jabhat an Nusra und dem Islamischen Staat im Irak und Syrien (ISIS) marginalisiert und durch die salafistische Doktrin ersetzt. Moderate Rebellen, die mit ihnen nichts zu tun haben wollen oder gar ihre Forderungen nach einem Islamischen Staat ablehnen – den übrigens alle drei Gruppen fordern -, wurden nach und nach verdrängt und bis heute bekämpft. Die demokratische Opposition wurde so zwischen Assad und den Salafisten zerrieben und jene, die noch aus dem Machtbereich Assads flüchten konnten, wurden von den Salafisten verfolgt, verschleppt und ermordet: Razan Zeituneh oder Aktivisten von Raqqa is being slaughtered silently (zuletzt in Idlib). In den Kämpfen mit den Salafisten aufgeriebene Gruppen der Freien Syrischen Armee haben sich im Norden als Jaysh al Thuwarr (Revolutionsarmee) neugegründet und sich im Herbst 2015 den Syrisch-demokratischen Kräften um die YPG angeschlossen.

In der Mitte des Jahres erzielten sie einige große Erfolge:

  • die Eroberung von Idlib und Jisr ash Shugur
  • der Vormarsch in der Latakia Provinz, ausgehend von der Kleinstadt Salma
  • die Eroberung von Tadmur/Palmyra durch ISIS

Die Intervention des Iran stabilisierte die Front des Assad-Regimes im Juni. Mit der Intervention Russlands wurden sogar neue Offensiven des Regimes gegen die Rebellen durchgeführt. Sie sind entweder noch im Gange oder sind gescheitert:

  • Mangel an Soldaten
  • schlechte Koordinierung der Bombardierungen der russischen Luftwaffe mit Infanterievorstößen
  • schlechte Ausstattung des syrischen Heeres mit schweren Waffen

Opferzahlen:

Exakte Opferzahlen sind wie in allen Kriegen nicht exakt bestimmbar. Zudem ist es schwierig, wie Opfer gezählt werden. Bei Getöteten in Kriegshandlungen, auf Demonstrationen oder in Folterkellern fällt eine Bestimmung leicht. Hierbei handelt es sich um direkte Kriegsopfer. Schwieriger wird es die indirekten Opfer zu bestimmen: Tote durch Hunger, Tote durch Krankheit, Tote durch Erschöpfung. Noch schwieriger wird es, zu bestimmen, wie hoch die Opferzahlen liegen durch den Niedergang des Gesundheitswesens, der Wasserversorgung und –entsorgung oder der Opfer durch militärische Altlasten, zudem natürlich all der Opfer in den Flüchtlingslagern der Nachbarländern oder der Flüchtlinge, die die EU im Mittelmeer ertrinken ließ oder durch türkische Grenzpolizei ermordet wurden.

Syrien hatte vor Beginn der Niederschlagung des arabischen Frühlings 23 Millionen Einwohner. Die UNO ging bis Ende 2014 von etwa 220 000 Toten und über 2 Millionen Verletzten aus. Zusätzlich sind über 10 Millionen Menschen geflüchtet. Davon haben 5 Millionen die Nachbarländer erreichen, 5 Millionen sind intern vertrieben.

Intervention ausländischer Mächte

Seit 2011 intervenieren ausländische Mächte – sowohl Staate als auch Organisationen – im syrischen Bürgerkrieg sowohl auf Seiten der Regierung als auch der Rebellen. Zwar werden formell die Rebellen gegen Assad vom Westen, der Türkei und dem Golfkooperationsrat unterstützt. Die moderaten Rebellen, u.a. die Mehrzahl, aber tatsächlich nicht alle Einheiten der Freien Syrischen Armee, werden nur moralisch unterstützt. Waffen, Ausrüstung, Gelder und Personal flossen dagegen an salafistischen Organisationen, vor allem an ISIS, Jabhat an Nusra und Ahrar ash Sham.

Seit August 2014 hat die US-Regierung zwar angekündigt den Terrorismus auch in Syrien zu bekämpfen, gemeint sind damit Al Qaida und ihre Ableger, aber Erfolge scheinen sich nur in den Pressemitteilungen abzuspielen. Insbesondere wurden die Hintermänner von ISIS und Jabhat an Nusra nicht bekämpft. So fielen bis Ende 2015 keine Bomben auf Ankara, Doha oder Riad. Auch einfache Maßnahmen wie die Lieferung von Waffen durch westliche Regierungen (z.B. USA) oder die Ausreise von Salafisten wurden nicht unterbunden. Erst in den vergangenen Wochen hat sich gezeigt, dass der Erdölverkauf von ISIS nicht gestört wurde. Dieser wurde allerdings kürzlich ernsthaft von Russland unterbunden. Die größten Erfolge scheint die US-Bombardierung dann zu zeigen, militärwissenschaftlich kaum überraschend, wenn sie mit anderen Waffen zusammenwirken kann, d.h. mit der YPG im Norden Syriens oder mit Peschmerga, PKK, irakischer Armee und Milizen im Irak.

Zur Unterstützung des Assad-Regimes haben der Iran, die libanesische Hisbollah und schiitische Milizen aus dem Irak schon Ende 2011 Truppen entsandt. Der Iran hat zusätzlich unter afghanischen Flüchtlingen, insbesondere unter Hazara, und pakistanischen Schiiten Söldner angeheuert. Die Hizbollah ist vor allem im Grenzgebiet zum Libanon aktiv. Schiitische Milizionäre aus dem Irak werden verschiedenen infanteristischen Einheiten der syrischen Armee zugeordnet, sie kämpfen nicht im geschlossenen Einheitenverband. China und Russland wurde zwar in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen Waffen an Assad zu liefern, aber es konnten keine Beweise vorgelegt werden. Im September 2015 hat Russland aber seine bisherige Politik aufgegeben und greift nun massiv ein:

  • neue Waffen geliefert, vor allem Panzer, Hubschrauber und Mannschaftstransporter, wurden geliefert
  • Luftwaffenbasen in den Provinzen Latakia und Tartus (die beiden Mittelmeerprovinzen) wurden ausgebaut
  • die Luftabwehr wurde verstärkt und ausgebaut
  • die russische Luftwaffe flog massive Angriffe gegen ISIS, Jabhat an Nusra und Ahrar asch Sham, sowie gegen das neue salafistische Bündnis Jaish al Fatah (Eroberungsarmee)

Kriegsverlauf im Jahr 2015

Selbstverwalteten Gebiete in Nordsyrien (sog. Kurdengebiete):

ISIS hatte bis Ende Januar die Stadt Ayn al Arab / Kobane und die Grenzregion des Kanton Cizre (Provinz Hasakeh) belagert. Aufgrund hoher Verluste sahen sie sich zum Rückzug gezwungen. Im März 2015 erfolgte eine Offensive von Burkan al Firat (u.a. YPG, FSA, Jabhat al Akrad) in Richtung der Städte Sarrin, Ayn Issa, Tell Tamer und Tell Abyad. Eine Gegenoffensive von ISIS zielte auf die Stadt Qamishli, konnte aber zurückgeschlagen werden. Die Städte Ayn Issa, Tell Abyad und Sarrin konnten durch Burkan al Firat im Sommer (zurück)erobert werden. Damit waren die beiden Gebiete Hasakeh und Kobane verbunden und die Möglichkeit der türkischen Regierung ISIS zu unterstützen war an dieser Stelle unterbunden. Im Westen bildet der Euphrat nun die Grenze zu ISIS. Versuche den Tishrin-Dam zu nehmen, scheiterten. Eine Offensive der YPG zum Sturm auf Jarabulus im November hat die türkische Armee verhindert. Im Osten der autonomen Gebiete konnten in Richtung Deir ez Zour weitere Gebiete erobert werden, u.a. der Süd-Hasakah-Staudamm und Erdölgebiete um die Stadt al Hawl (in den deutschen Medien auch al Hol). ISIS gelingt es aber auch immer wieder mit kleinen Verbänden einzusickern und Ortschaften in der zweiten Linie anzugreifen (zuletzt Ayn Issa).
Die autonome Region Afrin im Nordwesten Syriens sah eher wenige Kämpfe. Allerdings kam es seit Mitte 2014 zu einigen Scharmützeln mit Jabhat an Nusra. Nach der Gründung der Syrischen Demokratischen Kräfte im 10. Oktober 2015, fingen größere Kämpfe mit ihnen an. Man muss dabei bedenken, dass das Gebiet sehr klein ist. Zwischen Afrin (Hauptstadt der Region) und Azaz (eine der größten Städte im Norden nach Aleppo und Idlib) liegen nur 20 km. Das Gelände ist relativ offen. Moderne Haubitzen können problemlos 30 km weit schießen. Die Front hat sich hier in den vergangenen Wochen kleinräumig bewegt. Im Süden der Region Afrin versucht Jabhat an Nusra von der Stadt Daraat Izza vorzudringen, ist aber kürzlich gescheitert.

Nordsyrien (Latakia, Aleppo, Idlib)

Die Stadt Aleppo ist die zweitgrößte Stadt Syriens und die wichtigste Industriestadt. Seit Ende 2011 halten die Kämpfe in der Stadt und im Umland an. Größere Gebietsverschiebungen haben in den vergangenen Jahren nicht stattgefunden. Die Front verläuft noch immer mitten durch die Altstadt. Allerdings befinden sich die Rebellen, weitgehend Jabhat an Nusra, Ahrar asch Sham und einige islamistische Einheiten der Freien Syrischen Armee in einem Kessel. Über eine einzige Straße (und vermutlich Tunnel und die Kanalisation) werden sie versorgt. An dieser Straße liegt auch der kurdische Stadtteil Sheikh Maqsoud, der deshalb häufig angegriffen wird.
Im März starteten die Salafisten und die Freie Syrische Armee eine Großoffensive gegen die syrische Armee in Idlib. Nach einem Monat konnte die Stadt genommen werden und kurz darauf die benachbarte Stadt Jisr al Shughur. Die Provinz Latakia blieb von Kämpfen verschont, allerdings wurden Demonstranten und Bürgerrechtler von der Polizei ermordet. Die Provinz gilt auch als Kernland der Alawiten und die Salafisten in Syrien schworen bereits die Tötung aller Alawiten. Von Juni bis November konnten die Rebellen von der Stadt Salma aus weiter in die Provinz Latakia vordringen. Die umliegenden Gebirge haben durchaus alpinen Charakter, weswegen Tälern mit gut ausgebauter Infrastruktur entscheidende Bedeutung zukommt. Salma ist von strategischer Bedeutung, weil hier die „Autobahn 4“ (Latakia bis Aleppo) kontrolliert werden kann. Die Rebellenoffensiven nach Süden in Richtung Hama und Homs blieben aber stecken. Insbesondere soll die Intervention der iranischen Armee die Wende an der Front gebracht haben.
Die Front in Aleppo sah einige Veränderungen. Über 4 Jahre gruben sich die jeweiligen Seiten ein, abgelöst von Offensiven, die ein paar Quadratmeter Land einbrachten. Die Bombardements der russischen Luftwaffe wurden am Boden mit Offensiven der syrischen Armee koordiniert. Die syrische Armee konnte aus der Stadt nach Osten und Süden ausbrechen:

  • die Belagerung des Flugplatzes Kweires durch ISIS wurde aufgehoben
  • Gelände am al Jaboul See wurde von ISIS erobert

Im Südwesten konnten etwas größere Erfolge erzielt werden: Kleinstädte im Umland Aleppos wurden von Jabhat an Nusrah und Ahrar ash Sham genommen. Die Front verläuft im Moment in der Nähe der „Autobahn 4“. Aber mittlerweile fehlen der syrischen Armee Panzer, schwere Waffen, Mörser und Panzerabwehrwaffen um die Eroberungen zu halten, wie auf dem folgenden Video beispielhaft zu sehen ist:

Jabhat al-Nusra tank chasing Iranian forces in Aleppo
http://www.liveleak.com/ll_embed?f=6a0610dde1d6

Versuche die verbliebene Versorgungsroute der Rebellen in Aleppo abzuschneiden, wurden nicht unternommen. Im Gegenteil, die Verbindungsstraße von Hama nach Aleppo, die unter Regierungskontrolle steht, wurde zeitweise in einer gemeinsamen Aktion von ISIS und Jabhat an Nusra besetzt.
Die Front zwischen den Rebellen und ISIS nördlich von Aleppo blieb bis November nahezu stabil und verschont von Kämpfen. Mit der Intervention der USA, hat Jabhat an Nusra erklärt, ISIS nicht zu bekämpfen. Auch die Salafisten der Ahrar asch Sham führten bis November keine Kampfhandlungen mit ISIS im Norden. Nach Einsetzen der Bombardierungen durch die russische Luftwaffe auf Stellungen in und nahe Azaz, hat ISIS die Gunst der Stunde genutzt und hat in der Nähe von Dabiq einige Dörfer erobert. Das hat zum Sinneswandel bei Ahrar ash Sham geführt. Seit Dezember haben sie im Verbund mit der Freien Syrischen Armee entlang der türkischen Grenze einen ca. 10 km langen Streifen erobert. Jabhat an Nusra hielt an seinem Waffenstillstand mit ISIS fest und beteiligte sich weder an der Verteidigung noch an der Offensive.

Ostsyrien (Deir ez Zour)

Ostsyrien und damit die Grenze zum Irak ist weitgehend von ISIS besetzt. In Deir ez Zour befindet sich allerdings noch eine Garnison der syrischen Armee, die bislang alle Angriffe von ISIS zurückschlagen konnte. Die Stadt ist durch die Kämpfe zweigeteilt. Auf der nördlichen Seite des Euphrat sitzt ISIS, auf der südlichen die syrische Armee. Die Kämpfe spielen sich weitgehend auf der südlichen Euphratseite ab. Die Dörfer in der Umgebung der Stadt wechseln alle paar Wochen den Besitzer. Unterstützt wird die syrische Armee durch christlichen Milizen und Stammesmilizen der Sheitat. Die Versorgung der syrischen Armee ist auf dem Landweg nicht möglich und erfolgt nur noch über Luftabwürfe. Die vollständige Vernichtung der syrischen Armeegarnison wird von ISIS bereits seit über einem Jahr angekündigt.

Zentralsyrien (Hama, Homs, Palmyra)

Homs ist seit 2013 komplett in Hand der syrischen Armee. In Homs war noch der Stadtteil Waer von den Rebellen gehalten. Anfang Dezember haben sie im Rahmen von Verhandlungen freies Geleit aus der Stadt in Richtung Idlib erhalten.
Die Kämpfe spielen sich weitgehend nördlich von Hama ab. Nach der erfolgreichen Salafistenoffensive im März gegen Idlib und Jisr ash Shughur, kamen südlich von Khan Sheykun die syrische Armee in Bedrängnis. Durch die Intervention des Iran konnte sie aber stabilisiert werden (siehe oben).

Kämpfte mit Rebellen gibt es vor allem im ländlichen Raum und in Kleinstädten. Insbesondere die Autobahn zwischen Homs und Hama ist umkämpft. Die Stadt Rastan ist in Händen von Jabhat an Nusra, damit wird der Übergang über den Fluss Orontes von ihnen kontrolliert. Die Offensive der syrischen Armee im November zur Eroberung der Stadt scheiterte.

In Mai und Juni hat ISIS die Städte Tadmur/Palmyra, Qaryatayn und Mahin erobert und bedroht damit ein Hauptsiedlungsgebiet der christlichen Minderheit in Syrien. Mit Unterstützung der russischen Luftwaffe hat sich aber im November die syrische Armee wieder an Palmyra herangearbeitet. Die Rückeroberung scheiterte aber und zuletzt ging auch wieder Qaryatayn verloren.

Südsyrien (Damaskus, Daraa)

Die Hauptstadt Damaskus wird weitgehend von der syrischen Armee gehalten. Im Süden stehen aber die Freie Syrische Armee und ISIS. ISIS konnte im April erfolgreich in das palästinensische Flüchtlingslager Yarmouk (ca. 3 km zum Stadtzentrum) eindringen. Das Flüchtlingslager ist seit 2012 demilitarisierte Zone. Eine eher paradoxe Allianz aus Kämpfern von Hamas, palästinensischer Fatah und syrischer Armee, haben sie aber zurückgedrängt. Wie sich im Nachhinein herausgestellt hatte, waren es Palästinenser, die sich ISIS angeschlossen hatten und gegen die alteingesessenen palästinensischen Organisationen kämpfen. Momentan verläuft die Front zwischen diesen palästinensischen Gruppen im Flüchtlingslager.
Im Osten von Damaskus liegt die Trabantenstadt Douma. Sie ist auch Hauptsitz von Ahrar asch Sham und Islamischer Front. Zusammen mit Jabhat an Nusra kontrollieren sie weit nach Osten und Süden ein fast kreisrundes Gebiet. Auch wenn es wie ein Kessel erscheint, haben sie im vergangenen Jahr erfolgreich alle Offensiven der syrischen Armee zurückschlagen können. Diese beschränkt sich mittlerweile auf Artillerie- und Luftwaffenangriffe. Eine ernsthafte Offensive zur sogenannten Räumung des Kessels unternehmen sie nicht. Am 01.12.2015 wurde ein Waffenstillstand vom Regime, der Freien Syrischen Armee und Ahrar ash Sham ausgerufen. Jabhat an Nusra hat diesen Vertrag gebrochen, weil sie ihn nicht akzeptieren.

Im Westen von Damaskus liegen die Städte, die eher als touristische Orte bekannt sind, einerseits wegen Wintersport, andererseits wegen der Sommerfrische. Insbesondere die Stadt Zabadani wurde von Rebellen gehalten. Nach mehrfachen Offensiven und selbst mit Unterstützung der Hizbollah aus dem Libanon konnte keine vollständige Eroberung erreicht werden. Die syrische Armee blamierte sich im Sommer von Woche zu Woche mit neuen Erfolgsmeldungen, nur um sich wieder zu korrigieren. Mittlerweile ist die Stadt weitgehend in Händen der syrischen Armee, mit dem Rest wurde ein Waffenstillstand vereinbart.
Im Süden, nahe der jordanischen Grenze und der von Israel besetzten Golanhöhen, gab es mehrfach Rebellenoffensiven. Die Rebellen setzen sich hier zum Großteil aus der Freien Syrischen Armee zusammen, aber auch Jabhat an Nusra ist im größerem Umfang aktiv. An der Grenze zum israelisch besetzten Golan und in der syrischen Wüste ist ISIS aktiv. Eine Zusammenarbeit zwischen ISIS und den anderen Rebellen gibt es nicht, Kämpfte aber sehr wohl. Insbesondere ist es der Freien Syrischen Armee nicht möglich ISIS zurückzudrängen, weil Jabhat an Nusra als Puffer zwischen den Fronten fungiert, allerdings ISIS ungehindert durchlässt.

Der größte Erfolg der Rebellen war die Eroberung der Stadt Bosra im Süden. Alle weiteren Offensiven waren nicht erfolgreich. So konnte die von Rebellen belagerte Stadt Daraa nicht erobert oder auch nur abgeschnitten und eingekesselt werden. Seit November führt die syrische Armee Gegenoffensiven aus, ohne aber die Belagerung zu durchbrechen.

Friedensinitiativen

Gesamtsyrische Friedenspläne sind bislang gescheitert. Auf lokaler Ebene gibt es momentan in 30 Klein- und Mittelstädten (u.a. Zabadani, Ad Daymur) Waffenstillstandsabkommen, z.T. seit mehr als einem Jahr. Die Waffenruhe in Douma scheiterte Mitte Dezember am soziopathischen Verhalten Jabhat an Nusras.
Manche Gebiete blieben zwar komplett vom Bürgerkrieg verschont (Suwayda, Tartus), werden dann aber vom syrischen Regime mit Polizeimaßnahmen überzogen. Das führte in Suwayda am 05.09.2015 zu Kämpfen mit der ansässigen drusischen Miliz. Ein Abkommen zwischen ihnen und dem Regime, das zugesagt hatte dort nicht mehr mit solchen Maßnahmen aktiv zu werden und auch keine Wehrpflicht durchzusetzen, beendete die Auseinandersetzungen.

Aktuell laufen drei Friedensinitiativen:
Die international initiierten Friedensgespräche sind gescheitert. Selbst kleinere Erfolge waren nicht zu verwirklichen. Nur einige UN-Missionen zur Beobachtung der Lage gingen 2012 ins Land, wurden aber von den Seiten der syrischen Armee und der Rebellen angegriffen.

Die ersten Friedensgespräche wurden bis Januar 2012 unter Leitung der Arabischen Liga geführt, scheiterten aber im Unwillen der syrischen Diktatur und der syrischen Rebellen. Danach gingen die Verhandlungen unter Führung der UNO weiter. Sie sollten zunächst einen Waffenstillstand herbeiführen. Im Juni 2012 und von Januar bis Februar 2014 wurden Friedensverhandlungen unter in Genf (Genf I und Genf II) abgehalten. Beiden Initiativen scheiterten, weil sich beide Konfliktparteien von einem militärischen Sieg ausgegangen waren, der aber nicht eintrat.

Unter Führung der UNO und des iranischen Außenministers wurde eine neue Verhandlungsrunde initiiert. Zwischen Juli bis September hatte die Hizbollah die Stadt Zabadani (siehe oben) zum größten Teil erobert. Ende September wurde der freie Abzug der Rebellen nach Idlib ausgehandelt. Im Gegenzug durften Zivilisten in den Kleinstädten Al Fouaa und Kafraya, die durch Rebellen belagert wurden, das Gebiet verlassen. 4.000 Soldaten der syrischen Armee würden aber in den Orten bleiben. Der Waffenstillstand hat eine Laufzeit von 6 Monaten und sah auch die Freilassung von 500 politischen Gefangenen aus syrischen Regierungsgefängnissen vor.

Ende Oktober wurden in Wien Gespräche geführt zwischen den kriegsführenden Mächten. Dabei handelt es sich aber nicht um eine UNO-Konferenz oder von der UNO geführte Verhandlung. Thema war vielmehr wie sich die maßgeblich am Konflikt beteiligten internationalen Regierungen der USA, Russland, EU, Türkei, Iran, Saudi-Arabien, der Vereinigten Arabischen Emirate und Katar eine Zukunft für Syrien vorstellen können. Welche Bedeutung man den Syrern einräumte, zeigte sich daran, dass weder die syrischen Rebellen, noch die syrische Regierung eingeladen waren und ihnen noch nicht einmal ein Zuhörerstatus eingeräumt wurde. Die 2. Runde Mitte November kam zu dem Ergebnis, dass die Ziele der gescheiterten Genfer Friedensrunden verbindlich sein sollen. Außerdem haben sie erklärt, dass von der UNO als terroristisch eingestufte Organisationen wie ISIS und Jabhat an Nusra besiegt werden müssen. Jordanien wurde der Auftrag erteilt eine Liste mit terroristischen Organisationen, die in Syrien operieren, zu erstellen.

Im Dezember hat Saudi-Arabien zu einer Gesprächsrunde der Rebellen nach Riad geladen. Eingeladen war zwar die Nationale Koalition (die politische Organisation der Freien Syrischen Armee), aber dominiert wurde die Versammlung von den Salafisten. Im Anschluss hat Jabhat an Nusra die Freie Syrische Armee scharf angegriffen. Weiterhin hat er den kurdischen Organisationen und ihren verbündeten arabischen Gruppen mit Vernichtung gedroht. Den Waffenstillstand von Douma hat Jabhat an Nusra aufgekündigt. Ahrar ash Sham hat erklärt, dass auch sie einen religiös-konservativen Staat (sog. Islamsicher Staat) für Syrien anstreben, sehr ähnlich also zum saudisch-wahhabitischen Staat. In den Gebieten Syriens, die von Salafisten gehalten werden, wurden bald darauf mehrere Dutzend Journalisten und Bürgerrechtler verschleppt oder ermordet.

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