Am 23.07.15 wurde an der türkisch-syrischen Grenze ein türkischer Soldat durch Kämpfer des Islamischen Staates getötet. Zuvor schoß der türkische Soldat auf syrische Flüchtlinge. Im anschließenden Feuergefecht wurden einige Kämpfer des Islamischen Staates erschoßen. Diesen Vorfall nahm die türkische Regierung zum Anlass den Islamischen Staat in der Provinz Aleppo, also in Syrien, mit ihrer Luftwaffe anzugreifen. Diese Angriffe blieben bislang die einzigen glaubhaften Angriffe auf den Islamischen Staat.

In Suruc verübte ein Selbstmordattentäter einen Anschlag auf Jugendliche einer Solidaritätskampagne für die multiethnische Stadt Kobane. Dabei ermordete er 32 Personen und verletzte über 100. Es handelte sich dabei um den vierten großen Anschlag salafistischer Kräfte in der Türkei in den vergangenen 3 Jahren und nunmehr mit einer gesamten Todesopferzahl von mehr als 120. Als Reaktion wurde in Ceylanpinar ein rein männliches Polizeipärchen ermordet. Die türkische Regierung ließ deshalb kurdische Verbände im Irak und Syrien durch Luftwaffe und Artillerie angreifen, woraufhin zum einen im Südosten der Türkei der Bürgerkrieg wieder bevor steht und zum anderen der Islamische Staat gestärkt wird. Die PKK hat deshalb ihre einseitige Waffenruhe aufgekündigt und die Friedens- und Demokratisierungsverhandlungen für gescheitert erklärt.

Die Regierungen im Nahen Osten haben sich zum Angriff Erdogans auf die Kurden unterschiedlich geäußert.

  • Masud Barzani, Präsident der autonomen Region Kurdistan im Irak, hat anfangs der türkischen Regierung das Recht auf Bombardierung gewährt. Am 25. Juli hat er dagegen „ernste Bedenken“ geäußert, da das Vorgehen der türkischen Regierung den Frieden gefährdet. Er hat an beide Seiten appelliert die Friedensgespräche wiederaufzunehmen.
  • Die Regierung der kurdischen autonomen Gebiete Rojava in Syrien hat die Bombardierung verurteilt.
  • Der irakische Ministerpräsident Haidar al Abadi hat die Angriffe verurteilt und Erdogan aufgefordert die völkerrechtswidrigen Angriffe auf irakisches Territorium einzustellen.
  • As Sisi, der amtierende Diktator Ägyptens, hat sich  noch nicht zu den Angriffen der türkischen Luftwaffe oder der Unterstützung des IS durch die Türkei geäußert. Allerdings ist sein Verhältnis zu Erdogan stark angespannt. Nach dem as Sissi 2013 den damaligen Präsidenten Morsi stürzte, hat sich Erdogan auf die Seite Morsis gestellt. Bis heute erkennt Erdogan die Herrschaft Sisis nicht an. As Sisi ist nicht nur wegen dieser Kritik auf Erdogan schlecht zu sprechen, sondern auch wegen der Komplizenschaft der türkischen Regierung mit dem IS in Ägypten. Daily News hat hierzu die Namen türkischer Geheimdienstkräfte publiziert, die auf dem Sinai dem IS-Ableger Ansar Bait al Maqdis unterstützen. Die ägyptische Regierung lehnt auch strikt jede Schaffung eines türkischen Protektorats in Syrien ab, da es den territorialen Zusammenhalt des Landes gefährdet.
  • Die saudische Regierung unterstützt Erdogan moralisch in seiner Bombardierung der Kurden mit dem Recht auf Selbstverteidigung.
  • Die tunesische Regierung hat sich noch nicht offiziell geäußert. In der Vergangenheit hat sie mehrfach die türkische Regierung für ihre passive Haltung gegenüber dem Islamischen Staat angegriffen. Zuletzt hat sich der Ton deutlich verschärft, als sie ihnen sogar Unterstützung vorwarf.
  • die anderen Regierungen des Nahen Ostens haben sich noch nicht geäußert.

Besonders die Länder, die selbst unter Anschlägen salafistischer Gruppen leiden, verurteilen die Angriffe Erdogans. Die „Partner“ der Türkei betonen das Recht auf „Selbstverteidigung“.

Verfasst von: sauvradaeva | Mai 28, 2015

Zur Identität des IS mit Faschisms

Parallel zu den jüngsten Ereignissen im Nahen Osten erfolgt wieder die Gleichsetzung von Faschismus/Nationalsozialismus mit Salafismus oder Islamismus oder gar Islam. Hierbei beschränkt man sich auf einige Gemeinsamkeiten, vernachlässigt dabei aber andere oder ignoriert sie völlig. Auf naheliegende Vergleiche, z.B. zur religiösen Rechten, politreligiösen Sekten, dem amerikanischen Bible Belt oder einem reformierten Konservatismus in Gestalt von Kristina Schröder oder Ursula von der Leyen, trifft man leider nicht. Grundsätzlich werden nur oberflächliche Gemeinsamkeiten dargestellt wie die Unterdrückung der Frau, totale Unterwerfung des Individuums unter einer Lehre, Antisemitismus oder Diskriminierung von Bevölkerungsgruppen.

Genau hier liegt einer der wesentlichen Unterschiede. Zwar lehnt der IS alle anderen nichtmoslemischen Religionen ab, genau wie auch alle säkularen und innerislamischen Ausrichtungen. Ihnen droht sogar die ewige Verdammnis. Doch dem liegt nicht zugrunde, dass Menschen gewisse „eingeborene“ Rassen- oder Kulturmerkmale hätten, sondern unterschiedliche Ansichten und Werteorientierungen. Weiterlesen …

Verfasst von: sauvradaeva | Mai 1, 2015

Musik zum 1. Mai

Laal (Pakistan) – Inqalab (Revolution)

Cryptic Fate (Bangladesch) – Protibad

Scarab (Ägypten) – War to end

Zum diesjährigen 1. Mai noch Bilder beim Guardian und bei bdnews.

Verfasst von: sauvradaeva | April 23, 2015

Vortrag: Pandas statt Braunbären

Pandas statt Braunbären: Neonazis uns neurechte Strömungen im Black und Pagan Metal

Im Rahmen eines Metalkonzertes wird Attila Steinberger über die Versuche von Neonazis referieren im Black und Pagan-Metal Fuß zu fassen. Einen weiteren Vortrag gibt es von Dunja Brill zu Männlichkeit, Whiteness und Gewalt im Extreme-Metal.

Bands: Blast Injury (Thrashcore), Sunshine & Lollipops (Anarcho Black Metal)

 

Cafe Köpenick

Seelenbinderstr. 54 (S-Bahn Köpenick)

Einlass ab 16 Uhr

 

Weitere Literatur zum Vortrag:

Verfasst von: sauvradaeva | Januar 9, 2015

Angefeindete Journalisten in muslimischen Ländern

Islamisten haben schon seit Jahrzehnten Journalisten, Lyriker und Fernsehreporter angefeindet, bedroht und ermordet. Einerseits vergegenwärtigt es, dass Religionskritik und Kritik an konservativen Handlungen und Ideen in der muslimischen Welt verbreitet sind, andererseits zeigt es auch einen gewissen eurozentrischen Blick. Deshalb eine kurze Liste mit den wichtigsten „Märtyerern“ der Freiheit und ihren wichtigsten Werken:

  • Taha Hussein – al fitna al kubra (1947) (der große Aufruhr). Hussein, einer der wichtigsten ägyptischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, erklärt einige Personen der frühen Zeit des Islams als nicht existent. Er wird hierfür angefeindet.
  • Mahmud Mohammed Taha: Taha war ein sudanesischer Theologe, der quasi eine sudanesische „Theologie der Befreiung“ verfasste. 1967 verfasste er „die zweite Botschaft des Islams„, in welchem er den Mekka-Versen eine höhere Bedeutung als den Medina-Versen zuwies. Denn die Medina-Verse wurden in einer Zeit der Vertreibung und Verfolgung, als sich die frühen Moslems ihrer Haut erwehren mussten, geschrieben und können daher keine gesamtgesellschaftliche. ethische Bedeutung behaupten. 1968 hat ihn die Al Azhar-Universität zum Ungläubigen erklärt. 1983 wurde die Sharia im Sudan durch Nimeiry eingeführt. 1985 wurde Taha in Khartoum hingerichtet. Der hauptverantwortliche Hetzer Hassan at Turabi wurde 1986 gestürzt.
  • Naji al Ali: al Ali war Karikaturist bei der liberalen kuwaitischen Zeitung al Qabas. Die berühmteste Figur von ihm ist „Handhala„, der kleine, palästinensische Junge, der weit über den Nahen Osten bekannt wurde und Verwendung findet. Naji al Ali wurde 1982 im Libanon durch israelische Truppen aus politischen Gründen inhaftiert. Nach seiner Freilassung zog er nach London. Dort wurde er 1987 in London aus unbekannten Gründen ermordet, wobei sowohl die PLO als auch der Mossad als Täter verdächtigt werden.
  • Farag Foda – Haqiqa al Ghaiba (1987) (die abwesende Wahrheit). Foda, ein bekannter ägyptischer Säkularist, kritisierte häufig die Moslembruderschaft und jihadistische Gruppen wie Al Jihad und al Gama al Islamiyya. 1980 hat Muhammad abd al Salam Faraj as Buch „al Faridah al Ghaiba“ (die vergessene Pflicht) veröffentlicht, in welchem er den Jihad als quasi sechste Säule des Islams etablieren wollte und den Mangel der Moslems beklagte sich seiner Terrororganisation anzuschließen, was er als Pflichtvergessenheit interpretierte. Foda kritisierte diese und andere Sichtweisen in mehreren Artikeln und in seinem Buch „al Haqiqa al Ghaiba“. Foda wurde deswegen 1992 ermordet.
  • Nasr Hamid Abu Zaid: Abu Zaid war kein Säkularer, sondern Ingenieur und Theologe. Auf der Suche nach dem Sinn des Korans, verwendete er moderne Methoden der Linguistik und Hermeneutik. U.a. sollten die Koranverse unter dem historischen und kulturellen Kontext ihre Offenbarung interpretiert werden. So wurde z.B. der Koran zu einer patriarchalischen Zeit verfasst, also der Vorherrschaft des Mannes über die Frau. Weil mit diesem Gesellschaftsbild Konservative weiterhin sympathisieren, würden sie weiterhin an den Textstellen hängen und den eigentlichen Sinn verkennen. 1992  erschien sein Buch „Naqd al hitab al dini“ (Kritik des religiösen Diskurses). Abu Zaid wurde von konservativen Geistlichen sowohl aus dem Staatsbetrieb wie auch aus Reihen der Islamisten angegriffen. Er wurde zum Ketzer erklärt und seine Ehe wurde deswegen geschieden, weil sie keine religiöse Grundlage mehr hatte.
  • Naghib Mahfouz – Kinder der Straße (Awlad haratna): Mahfouz griff in seinen Werken häufig zeitgenössische Probleme und soziale Situationen in Ägypten auf. Deshalb verarbeitete er auch religiöse Themen und brachte sich auch außerhalb seiner Werke in Debatten ein, z.B. in die Mordaufrufe gegen Salman Rushdie und die Debatte um „die satanischen Verse„. Gegen Mahfouz wurden nicht nur sein Engagement vorgehalten, sondern auch ein alter religionskritischer Text von 1959, „Kinder der Straße“. Die Anhänger der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam haben sich in jeweils einer Phase in einer Straße in Kairo angesiedelt. Jedesmal hat ein Held dieser Religionen Futuwwa, örtliche Schlägertruppen, besiegt. Als 4. Nachbar kommt die moderne Wissenschaft hinzu, von der jede Religion behauptet, sie käme von ihnen. Mahfouz wurde 1994 angegriffen und schwer verletzt. Obwohl er überlebte, konnte er fast nicht mehr schreiben.
  • Sivas Massaker 1993: Die alevitische Minderheit feierte in Sivas ein Fest zu Ehren Pir Sultan Abdal. Dabei trat auch Aziz Nesin, ein bekannter Säkularist auf, der auch die „satanischen Verse“ übersetzt hatte. Mitglieder der „Wohlfahrtspartei“ von Necmettin Erbakan legten im Tagungshotel Feuer und töteten 35 Personen.
  • Darioush und Parvaneh Forouhar (Kettenmorde): der ehemalige Minister in der nachrevolutionären Regierung Bazargans wurde 1998 ermordet, weil er sich für Demokratie, Menschenrechte und Säkularismus einsetzte. Die Täter, u.a. Sai Emami und Ali Fallahian, zählen zum konservativen Spektrum im Iran um Ahmadineschad und Mezbah-Yazdi.
  • Said Hajjarian: Der ehemalige Geheimdienstmann deckte die Kettenmorde (siehe oben) im Iran auf und war ein vehementer Streiter für Menschenrechte und Rechtstaatlichkeit im Iran. Im Jahr 2000 wurde er durch Schüsse lebensgefährlich verletzt. Die Täter waren aus Reihen der Basij.
  • Ahmed Rajib Haider: Haider war Initiator der Shah-Bagh-Proteste in Bangladesch, die die Todesstrafe gegen die Täter des Völkermordes an den Bengalen von 1971 forderte. Haider wurde 2013 vor seinem Haus erschlagen. Die Täter gehören der Islami Chhatra Shibir, der Studentenvereinigung der Jamaat-e Islami Bangladesh, an.
Verfasst von: sauvradaeva | November 27, 2014

Vortrag an Nikolaus: NSBM

Rechtsextreme und neurechte Strömungen im Extreme-Metal

Vor 20 Jahren haben sich im als sonst als „Negermusik“ geschmähten Extreme-Metal mit Burzum, Legion of Doom und Absurd die ersten Nazis eingefunden. Mittlerweile sind Nazibands im Black und Pagan Metal weitgehend akzeptiert. Nicht nur gründet das in entsprechender Zurückhaltung (wenig NS-Elemente) der Bands selbst, sondern auch in geteilten Werten wie aggressivem Auftreten, laienhafter Musik und einer Erotik des Bösen. Während Nazibands im Black Metal unverhohlen das Dritte Reich und Massenmord preisen, treten sie unverfänglicher im Pagan Metal auf, wo sie allerdings Elemente der völkischen Bewegung und konservativen Revolution einbringen, beides Grundlagen des Nationalsozialismus. Im Zusammenhang mit der historischer Unbedarftheit der Paganisten und romantischen Sehnsüchten werden so völkische Ausgrenzungsmuster, Verhaltensweisen und Symbole verbreitet. Die Wirkung von Nazis, besonders von Absurd, geht in der BRD soweit Deutungshoheiten über die Szene zu reklamieren und Abweichler (z.B. Varg, Ivenberg), auch wenn diese selbst völkisch sind, mittels gefakter Internetseiten abzustrafen.

Zeit: 6.12., 19 Uhr

Ort: JUZ Mannheim

Straße: Käthe-Kollwitz-Str. 2-4

 

Danach Konzert mit

BLACK SHAPE OF NEXUS

NAEVUS

BITTERNESS EXHUMED

SCHMAND

Verfasst von: sauvradaeva | November 20, 2014

Military hazardous waste / Rüstungsaltlasten

There is much fighting in Syria and Iraq. For this reason we have prepared a short fact sheet on military hazardous waste to pass some information for people there. Unfortunately no is speaking or writing any Kurdish language and our Arabic is not appropriate enough to write it in this language. For this reason we have written it in English and have kept the vocabulary quite easy – as easy as it is possible on this topic.

Our fact sheet is mainly about giving basic information, exploring military hazardous waste, collecting data and so on. All chemical analysis have to been done by skilled scientists or laboratories. Medical analysis and treatment, if necessary, will require special trained doctors.

As main remedy we recommend to create waste dumps. No other waste (medical or industrial or household waste) should be stored there. These waste dumps have to be incarcerated (by concrete walls and floor). Surface and groundwater must not be put into danger of pollution.

We will provide in time a checklist for military hazardous waste exploration and assessment for use on the ground.

Military hazardous waste and contaminated brown fields (pdf)

Additional informations can be found at EPA, the Environmental Protection Agency of the US.

The software QGIS can be found here. It’s open source. There is also a Turkish version, but no Arabic or even Kurdish.

Verfasst von: sauvradaeva | November 17, 2014

Audio-Mitschnitt zu ISIS in Irak und Syrien

Am 06.10.2014 referierte unsere Rampensau über die Ursprünge von ISIS im Irak und Syrien. Hierzu gibt es nun einen Audiomitschnitt, der hier angehört werden kann.

Islamic State. Fuck you!

Im Nachgang sind einige Fragen aufgekommen zu der Verfasstheit von Syrien und Irak, insbesondere unter Saddam Hussein.

 

Zum zweiten Vortrag zur saudischen Außenpolitik gibt es leider (noch) nichts online.

 

 

Verfasst von: sauvradaeva | Oktober 14, 2014

strategische und inhaltliche Positionierung gegenüber ISIS

In den vergangenen Wochen gab es verschiedene Initativen und Appelle sich wegen des Vormarsches von ISIS in Syrien und im Irak zu positionieren und in Deutschland wie auch in den entsprechenden Ländern einen Beitrag zu leisten. Deshalb geben wir nachfolgend in Stichpunkten die wichtigsten Aspekte wieder um sich selber inhaltlich zu informieren und in Medien zu verwerten:

1. Voraussetzungen

  • Niemals Theorien und Analysen blind vertrauen oder gar übernehmen. Das führt nur zu Schematismus, bei dem man an der Realität schnurstracks vorbeiführt. Auch immer den eigenen Schematismus im Blick haben, z.B. Klassenanalyse oder der Gegensatz sakulär-religiös.
  • Wenn ihr marxistische Religionskritik machen wollt, dann lest bitte zuerst die einschlägigen Werke von Hegel, auf die Marx seiner Kritik unterzieht. Den Vulgärmarxismus vieler Autoren dazu ist kaum mehr zu ertragen. Außerdem verkommt auch das beständig zu Schematismus.
  • Das gesamte Wirkspektrum des Salafismus in den Blick nehmen, d.h. die muslimische Identität, das Authentizitätskonzept, die rigiden Vorstellungen, das Bild der Kleinfamilie, auch wenn ihr nur einen Teil bearbeiten möchtet.
  • Inhaltliche Auseinandersetzung mit der Ideologie und mit den Handlungen von IS und/oder anderen Islamisten und Salafisten heißt Primärquellen auswerten.
  • Niemals den spezifischen gesellschaftlichen Zusammenhang außer Acht lassen, auf den sie reagieren, sich beziehen und in dem sie wachsen
  • Sprachkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich, allerdings sollten die arabischen Vokabeln der Salafisten bekannt sein
  • Literatur ist zu fast allen Themen und Bewegungen in der Regel auf Englisch in großen Mengen vorhanden. Weitere Fremdsprachenkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich. Zur Einarbeitung sollte empirielastige Literatur verwendet werden. Übergreifende Werke, z.B. von Olivier Roy, bringen zur Einarbeitung überhaupt nichts.
  • Ein leider nicht unerheblicher Teil der Literatur ist rechtslastig bis offen rechtsextrem. Faustregel: Bücher meiden, bei denen schon der Klappentext aussagt, dass es um den Islam geht. Die Analysen sagen mehr über die Autoren, als über den angeblichen Forschungsgegenstand aus.
  • Zur Einordnung salafistischer Ideologie können Parallelen mit dem deutschen Konservatismus nützlich sein, siehe hierzu:
    • Martin Greiffenhagen: Das Dilemma des Konservatismus in Deutschland
    • Kurt Lenk: Deutscher Konservatismus
    • Panajotis Konylis: Konservatismus. Geschichtlicher Gehalt und Untergang
  • Diese Liste ist nicht vollständig und sollte keinesfalls abgearbeitet werden. Sie soll nur eine grobe Orientierung und Denkanstöße geben.

2. Strategische Ausrichtung

  • An wen addressiert ihr eure Publikationen, Flyer, Reden und Handlungen:
    • das eigene Publikum
    • den Doktorvater
    • die Medien
    • die breite Öffentlichkeit
    • den ISIS
    • das Publikum, an das sich ISIS und andere Salafisten wenden
  • Welches Ziel verfolgt ihr (zwei davon sind sarkastisch gemeint):
    • Selbstvergewisserung
    • Solidarität
    • Abgrenzung
    • Kritik bis hin zu positiver Einwirkung, z.B. auf das Publikum der Salafis
  • Möchtet ihr mit anderen Gruppen kooperieren:
    • sollen sie euch ideologisch nahe stehen
    • von der Jugendkultur oder dem Habitus
    • bei strategische Partner
      • können diese Lücken schließen
        • inhaltliche
        • Identitäre (Salafistische Konzepte basieren auf einer sehr starken identitären Dichotomie, ein Imam oder ein Sufi können diese aber aufbrechen
        • werden andere Bevölkerungsgruppen angesprochen
      • was erwartet man von diesen Partnern und was bringt man selber ein, denn das sollen ja auch keine nützlichen Idioten für linke Befindlichkeiten sein
      • Vorsicht vor islamistischen und rechtsradikalen Gruppen (z.B. MHP, Graue Wölfe, BDP)
    • handelt es sich um tatsächliche oder potentielle Opfer (gut bei ISIS ist quasi jeder ein potentielles Opfer)

3. Inhaltliche Ausrichtung

  • Nicht in Schematismus verfallen, das bringt den Addressaten nichts, sondern bestenfalls nur euch
  • Nicht alle Salafisten und Islamisten pauschal aburteilen
  • Analysen salafistischer Ideologie und Handlungen:
    • deutlich das Konzept der Salafisten und dessen Auswirkungen darstellen, sowohl auf andere Moslems (z.B. Takfir) wie auch den Rest der Menschheit
    • wo setzen Salafisten inhaltlich und identitär an und dort intervenieren (z.B. Gegensatz Moslem zu Nichtmoslem, bei Rassismus, bei Arbeitslosigkeit, Kriminalität, nicht- und vorehelichem Geschlechtsverkehr oder Drogenkonsum)
    • welche Gruppen wollen Salafisten ansprechen und welche sprechen sie tatsächlich an
      • am bekanntesten sind die marginalisierten Ausländer aus der Türkei, das ist aber nur eine Gruppe
      • unter Christen schließen sich besonders Personen aus strenggläubigen Familien an, in der Regel, weil der Salafismus angeblich ausgesprochen konsequent sein soll
    • Analysieren, wo Salafisten von althergebrachten Traditionen und anderen theologischen Ausrichtungen abweichen (z.B. wer alles als Ungläubiger gilt)
      • Salafisten behaupten einen besonders authentischen Islam zu leben. Hier sollte gezeigt werden, dass die Salafisten nur eine unter vielen Interpretation sind.
      • Es kann auch dargelegt werden, inwiefern die jeweilige authentische Auslegung den Traditionen in den jeweiligen Gesellschaften folgen, z.B. im Irak folgt die religiös aufgeladene Verfolgung der Kurden, Schiiten und Yeziden dem Erbe Saddam Husseins.
      • Üblicherweise kritisieren rechte Autoren dann, dass bereits die Bezugsquelle das Problem wäre. Dagegen muss deutlich gemacht werden, dass nicht die Bezugsquelle das Problem ist, sondern die Interpretation, die auch die problematischen gesellschaftlichen Entwürfe zur Folge hat.
  • Diskussionen mit Salafisten
    • niemals auf der Ebene von Religion/Glaube führen, sondern auf der Sachebene, z.B.
      • Welche fachlichen Probleme kann der Salafismus lösen? Das ermöglicht es klarzustellen, dass Probleme nicht mit Identitätskonzepten gelöst werden können. Die salafistische Ideologie ist nur ein Ausweichen von den Problemen, die der Alltag stellt. Das ist keine Alternative.
    • Bei ISIS-Leuten: immer auch die Lage in Nahost einbeziehen, z.B.
      • was war der Beitrag von ISIS zum Sturz von Assad?
      • Was haben die Salafisten in Libyen gemacht, was in Ägypten oder Tunesien (ganz einfach, sie haben die Opposition angegriffen)?
      • so kann man ihnen Heuchelei vorwerfen
    • Bei chauvinistischen salafistischen Gruppen, z.B. ISIS, aber auch „Wa(h)re Religion“ oder Pierre Vogel, deutlich machen wie sie zu Ausgrenzung führen, Ungerechtigkeit verstärken und nichts als chauvinistisches Überlegenheitsgefühl für ihr Klientel anbieten. Die Gefahren davon sind offensichtlich.
Verfasst von: sauvradaeva | Oktober 13, 2014

Chemiewaffen im irakischen Bürgerkrieg

Chemiewaffen wurden in den 80er Jahren durch Saddam Hussein gegen den Iran im 1. Golfkrieg (1980-1988) und auch gegen die kurdische Freiheitsbewegung benutzt, insbesondere in der Al Anfal-Kampagne (1986 – 1989). Damit ist der Irak auch das einzige Land im Nahen Osten, das jemals Chemiewaffen verwendet hat. Frühere Einsätze wurden durch die Kolonialmächte durchgeführt, z.B. durch Spanien in Marokko und vermutlich durch England im Irak. Bestände an Chemiewaffen gibt es in fast allen Ländern, zudem ist eine Abrenzung zwischen Chemiewaffen und „Reizstoffen“ recht unklar. (1) Chemiewaffen waren auch ein vorgeschobener Grund für die Neokonservativen in den USA um die irakischen Erdölquellen 2003 zu befreien. Die irakische Armee wurde innerhalb kurzer Zeit vernichtet, die Reste verzogen sich ins Privatleben oder bildeten den irakischen Widerstand. Weiterlesen …

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