Über diesen Blog

Nach Anfragen mehrer Personen, die sich über den Islamismus informieren wollen, habe ich mich entschlossen diesen Blog zu führen.

Hauptsächlich werde ich  zum Islamismus im Iran, Pakistan, Indien, Bangladesch und Ägypten schreiben. Ich werde nicht das Tagesgeschehen kommentieren, sondern Artikel, die den Hintergrund untersuchen verfassen.

Ergänzend werde ich die in der BRD vorherrschende Thematisierung, insb. den Rassismus, behandeln.

Da ich politische Ideologien nicht losgelöst sehe von ökonomischen Verhältnisse, werde ich ebenfalls wirtschaftliche Themen behandeln. Da die Mehrzahl der Islamisten dem Neoliberalismus folgen, werde ich auf die neoklassische Wirtschaftstheorie und die neoliberale Wirtschaftsplanung eingehen.

Nachfragen bitte ich bei den entsprechenden Artikeln zu stellen. Nachfragen allgemeiner Art können hier untenstehend gestellt werden, z.B. zur Methodik, Schwerpunkten oder zukünftigen Artikeln.

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Responses

  1. als erstes hallo,

    und eine kleine kritik bzw. frage am rande: „Da die Mehrzahl der Islamisten dem Neoliberalismus folgen, werde ich auf die neoklassische Wirtschaftstheorie und die neoliberale Wirtschaftsplanung eingehen.“ auch wenn ich mich nicht als „islamismusexperte“ bezeichnen würde, muss ich sagen, dass ich deine meinung bezüglich des verhältnisses zwischen dem islamismus bzw. den islamisten und dem neoliberalismus nicht teile. der islamismus als eine politische bewegung hat m.M.n. keine dazu gehörige wirtschaftstheorie, sogar nicht einmal eckpunkte, die zur bildung einer solchen beitragen könnten, viel eher pseudo-prinzipien, die öfter zitiert, aber anderthalb jahrtausende nach dem „goldenen zeitalter des islam“ niemals umgesetzt werden könnten. daher entsprachen die wirtschaftspolitik und die wirtschaftspolitischen aussagen der islamisten meistens dem „zeitgeist“ (oder eben dem „anti-zeitgeist“). trotzdem lässt sich m.E. ein roter faden erkennen und der ist der fortschrittsgedanke, der sich selbstverständlich sowohl konservativ als auch „revolutionär“ ausdrücken kann. während der konservative sich an einem ausschließlich technischen fortschritt festklammert, der „das menschliche“ nicht berühren soll, verspricht sich der „revolutionäre“ die geburt eines neuen(-alten) menschen, der durch die bewegung und den durch sie erzeugten fortschritt entstehen soll, aber nichtsdestotrotz die wiedererstehung des geistes des „goldenen zeitalters“ darstellt. „die mehrzahl der islamisten“, von denen du sprichst, würde ich den konservativen zuordnen, also als einen – wenn auch nicht kleinen – teil der bewegung betrachten, nicht als „die mehrzahl“, erst recht nicht als „die bewegung“.

    der machtzuwachs des konservativen flügels ist, denke ich, eigentlich durch die niederlage der „antiimperialistisch“-islamistischen bewegung erklärbar, die der „islamischen welt“ ein anderes dasein in würde versprach, also zumindest dem schein nach ein problem mit den regeln hat(te), die unsere welt bewegen. der gläubige unternehmer dagegen, der wohlstand generieren soll, und die gläubige regierung, die dem unternehmer möglichst optimale bedingungen verschaffen soll, beide sind vielmehr der protestantischen ethik webers und dem unternehmerbild schumpeters entsprungen als dem koran oder irgendeinem herbeiimaginierten „goldenen zeitalter“. (genauso wie die „antiimperialisten“ sich des lenins nicht weniger bedienten als des korans.) insofern: wenn man die historische kontinuität der bewegung als kriterium hernimmt, kann man von dem heute vorherrschenden neoliberalismus in relevanten teilen der islamistischen bewegung sprechen, der durch einen frommen duktus ergänzt wird. sollte die konsequente weiterentwicklung der theorie, die es so nicht gab, zumindest nicht systematisch, unser kriterium sein, müsste man sagen, dass „die mehrzahl der islamisten“ gar keine islamisten mehr sind.

    wie siehst du das?

    • Hallo auch,

      ass ich deine meinung bezüglich des verhältnisses zwischen dem islamismus bzw. den islamisten und dem neoliberalismus nicht teile. der islamismus als eine politische bewegung hat m.M.n. keine dazu gehörige wirtschaftstheorie, sogar nicht einmal eckpunkte, die zur bildung einer solchen beitragen könnten, viel eher pseudo-prinzipien, die öfter zitiert, aber anderthalb jahrtausende nach dem “goldenen zeitalter des islam” niemals umgesetzt werden könnten.

      Es gibt durchaus eine mehr oder weniger ausgefeilte Wirtschaftstheorie. Diese ist sicherlich nicht wissenschaftlich, sondern bewegt sich auf dem Nivea politischer Bewegungen und des Alltagsverstandes.
      Islamisten, gleich ob revolutionär oder konservativ, beschränken sich auf die Ordnungspolitik. Man will die Wirtschaft nicht im Ganzen umkrempeln, sondern nur einige Bereiche. Im Sudan, wo sie geherrscht haben oder in Pakistan, als sie beteiligt gewesen sind, beschränkte sich die Ordnungspolitik auf den Finanzmarkt. Gleichzeitig entstehen am Arabischen Golf immer mehr „schariakonforme“ Banken und Fonds. Selbst die Deutsche Bank hat diesbezüglich ein Angebot.
      Der Unterschied zwischen den Revolutionären und den Konservativen sehe ich auch, v.a. dass die Konservativen verstärkt staatliche Strukturen etablieren möchten. Der Einfluss der Moslembrüder diesbezüglich in Ägypten ist ja gewaltig oder der Jamaat-e Islami in Pakistan, von den staatsaffinen Salafisten in Saudi-Arabien ganz zu schweigen. In wirtschaftspolitischer Hinsicht verbieten sie das „Schlechte“ und fördern das „Gute“. Die politische, ökonomische und moralische Korruption, um ihre drei Hauptbegriffe diesbezüglich, aufzugreifen, muss ausgemerzt werden. Um es mit Lafontaine zu sagen, „damit es wieder gerecht zugeht.“
      Allerdings sehe ich den neuen Menschen anders, gerade in wirtschaftspolitischer Sicht. Der Unterschied wird vielleicht deutlich, wenn man zuerst zum „Neuen Menschen“ des Sozialismus zurückblickt: Dessen Qualität besteht gerade darin, dass er nicht der Charaktermaske des Kapitals unterläge, sondern Solidarität und Altruismus praktiziert. Das kann man bei den Islamisten vergessen: Nach ihnen muss man sich in der der Ökonomie behaupten und dazu vermittelt der Islam die passenden Werte, dass das auch erfolgreich geschieht. Wer also arm ist, dem mangelt es an islamischen Sekundärtugenden.

      Die soziale Frage führte im Islamismus eigentlich schon immer ein Schattendasein. Nur ganz wenige Personen haben überhaupt dazu gearbeitet. Im Iran waren das z.B. Mohammed Shariatmaderi, Ali Shariati oder Mahmoud Taleghani. Shariati wurde vom Schah ermordet und die anderen beiden von Khomeini. Islamisten beschränken sich wie gesagt auf die Ordnungspolitik.

      Den Unterschied zu den Revolutionären ist meiner Ansicht nach eher strategisch. Revolutionäre wollen den Staat stürzen und komplett neu aufbauen. Die Konservativen wollen ihn nur verbessern, also anders managen.

      Reicht dir die Antwort so?

  2. Hallo, erst mal vielen Dank für die hervorragende Arbeit der letzten Jahre.Seit Juli 2015 sind keine neuen Artikel mehr erschienen! Was ist passiert?

    • Wir hatten Urlaub, deswegen antworten wir auch 4 Wochen später. Außerdem können wir uns gerade nicht darauf einigen, was wir vordringlich bearbeiten:
      – Salafismus in Deutschland
      – Ursprünge des Salafismus: Naqschbandi-Mujdadiddya
      – islamistische Wirtschaftsethik
      – Restauration in Ägypten
      – Islamismus in Bangladesch
      – Artikel zu Jabhat an Nusra und der Islamischen Front

      Andere Artikel haben wir eingestellt, z.B.
      – Jemen: hier ist eigentlich alles bekannt aus der Presse, wobei natürlich notwendig wäre zu sagen, dass es sich nicht um einen Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien um Iran handelt
      – islamistischen Gruppen in Kurdistan. Hier scheitern wir leider an der Sprachbarriere.
      – Turkmenische Minderheit in Syrien und Irak als nützliche Idioten Erdogans: leider kann von uns keiner Azeri

      Besonders die letzten beiden abgebrochenen Projekte haben an unseren zeitlichen Ressourcen in den vergangenen 4 Monaten gezehrt.

      Die Ambitionen sind also durchaus weiterhin hoch.

      Wichtig ist uns ja nicht die Tagespolitik zu bearbeiten, sondern passendes Hintegrundmaterial zu geben, damit unsere Leser Islamismus und Salafismus verstehen und einordnen können. Deshalb versuchen wir auch möglichst englische Quellen anzugeben, damit die nachfolgende Recherche einfacher fällt.

      Aber unseren Referenten jagen wir dafür durchs Land. Im Gegenzug fällt der natürlich für Artikel aus.

  3. Alles ok. Ich hatte mir nur sorgen gemacht! Das ihr bei euren Recherchen nicht auf die deutsche Presse zurückgreifen könnt, versteht sich von selbst.
    Weiterhin alles Gute bei eurer Arbeit.

  4. Hallo, war echt ein Hammer Vortrag heute in Leipzig. Fand‘ ich interessanter als Ganser oder Leukefeld, die zig tausend klicks auf youtube kriegen. Mach doch mal ein video.

  5. Ach ja, mit frühem schlafen gehen hat es doch nicht geklappt (und war dann auch noch so halb mit meiner Freundin verabredet und hatten auch noch was zum essen vorbereitet, die kommt dann nächste mal mit, dann muß ich ihr nicht alles nochmal erzählen). Also nächste mal können wir noch etwas plaudern und einen Fallafel essen, gerne.


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